Das Elend der Welt

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 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Artikel 1, Absatz 1, Grundgesetz

„In dieser propagandistischen Phase (Neue Soziale Bewegungen) erschienen für mich elegante Überlegungen zu Stilfragen als Luxus bürgerlicher Ästheten, die sich um das Problem der Moral in der Kunst herumdrücken“
Jörg Immendorf, 1973

DeutschLandundLeuteZeugen versteht als das Grundböse den Sachverhalt, dass in der gesamten Geschichte der Zivilisation ein Teil der Menschheit einen anderen Teil der Menschheit hat in Armut leben und sterben lassen.

Sei es, nach philosophischen, theologischen und psychologischen Auffassungen, wie diese seit der Antike interpretiert werden, aus menschlicher Unvollkommenheit, Schwäche, Irrtum und Sünde, Unvernunft, Bosheit, Torheit, kranker Seele (Ich-Schwäche, Psychopathie, Sadismus, Egoismus, Narzismus, Hass, Eifersucht, Neid, Rivalität, Gier, Grössenwahn), Hylismus, mania und mangelnde Weisheit, Dogmatismus und Ideologie, Zynismus, schliesslich der Wille zum Bösen, das „Malum morale“, das menschgemachte Böse, wie G. W. Leibniz es nennt.

Armut  wird hier nicht nur verstanden als Mangel zuförderst an gesunder Nahrung auf modernem Niveau, sondern auch als Mangel an Kleidung und Wohnung auf gesundheitlich modernem Niveau, sowie ebensolcher medizinischer Versorgung, schliesslich Mangel an Möglichkeiten sozialer Kommunikation, Unterhaltung, kultureller Erbauung, an sportlicher und kreativer und musischer Betätigung, und darüber hinaus insbesondere Mangel an Bildung des Herzens und des Geistes, und schliesslich Mangel an Zuwendung, Respekt und an Würde, die grundgesetzlich als unantastbar gilt.

Deutschland feiert 2009 das sechszigste Jahr des Bestehen des Grundgesetzes, und Deutschland wählt eine neue Bundesregierung.

„Was ist der Mensch?“

Immanuel Kant

„Es ist die uralte Frage der gerechten Verteilung zwischen Arm und Reich … wir sind auf dem Weg in eine Wolfsgesellschaft“,
Bischof Friedhelm Hengsbach, 2004

Warum gibt es seit Jahrtausenden Armut in der Welt? Und warum wird Armut heute nicht weltweit abgeschafft, obwohl wir `alles wissen´ und `alles können´? Denn der Reichtum der Welt würde alle Menschen, sogar die doppelte Anzahl von Menschen, oder mehr, ernähren, medizinisch versorgen, kleiden, mit Behausung versehen und bilden.

Da die Rettung der Welt vor ökonomischem, ökologischen und geistigem Zusammenbruch die aktuelle Menschheitsaufgabe überhaupt ist, geht es heute auch um die Geschichte der ungleichen Verteilung der erarbeiteten Überschüsse in Reichtum und Armut, welche die Menschheit vor etwa 10.000 Jahren relevant zu erwirtschaften begann und welche im Laufe der Jahrtausende und Jahrhunderte sich zu unermesslichen Reichtümern bis ins 21. Jahrhundert hinein steigerten, als eine Art Erfüllung der Suche nach den reichen Goldschätzen, wie es in den uralten Sagen und Märchen erzählt wird, die seine Finder zu den Mächtigsten, Reichsten, Schönsten der Welt machen.

Die Welt ist beherrscht von niederen Gefühlen und Affekten der Gier, des Hasses, des Neides, der Eifersucht, des Narzismus …, entäussert in Verfolgungen, Denunziationen, Hetze, Häme, Zynismen …, umgesetzt in Gewalt, Terror, Krieg, Folter, Menschenrechtsdesastern, skrupellosen Profitmaximierungen durch Ausbeutung und einseitige Verteilung, Korruption, Betrug, Menschenverachtung, Unrecht, mangelnde Bildung, Vernichtung von Naturressourcen, Umweltzerstörungen … und die Produktion von nie da gewesenen Reichtum und Armut.

Weltweit müssen rund eine Milliarde Menschen mit einem Dollar pro Tag auskommen, weitere fast zwei Milliarden Menschen haben weniger als zwei Dollar zur Verfügung. Fast eine Milliarde Menschen haben keine ausreichende Ernährung, an den Folgen von Unterernährung sterben täglich ca. 13.000 Kinder, insgesamt 25.000 Menschen. Ein Drittel der Weltbevölkerung wird nicht ausreichend versorgt, eine Milliarde Menschen hungern, und etwa 100 Millionen Menschen verhungern gegenwärtig jährlich. Der Direktor des Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Universität der Vereinten Nationen (UNU-WIDER), Anthony Shorrocks, verglich die weltweite Verteilung des Vermögens mit einer Gruppe von zehn Menschen, in denen ein einziger 99 US-Dollar zur Verfügung hat und die anderen neun sich den restlichen Dollar teilen müssen.

Statistiken über Armut in Deutschland sind bekannt.

Am Anfang der Entwicklung der Menschheit  war Angst, Armut, Arbeit. Armut ist so alt wie die Menschheit. Armut, Hunger und Mangel sind geblieben, so alt wie die Menschheit geworden ist. Im Laufe der Geschichte ist Armut in verschiedenen Versionen aufgetreten: naturbedingte Armut, individuelle Armut, Gruppenarmut, Massenarmut, Armut durch Naturkatastrophen, Armut durch Kriege, Armut durch ungleiche Verteilung, durch wirtschaftliche, politische, bürokratische Massnahmen.

Die so genannte globale Finanzkrise 2008/09 ist nicht das erste grosse Symptom des „Proton Pseudos“ (Aristoteles, „Logische Schriften“, „Erste Analytik“): „erste Lüge, Grundirrtum, falsche Grundvoraussetzung, Quelle aller Irrtümer“. Das Symptom ist vielmehr der Krankheitsherd: „erste Lüge, Grundirrtum, falsche Grundvoraussetzung, Quelle aller Irrtümer“. Und das ist die mit dem Beginn der Arbeitsteilung im Neolithikum einseitige Wertaufhäufung, Wertbemessung und einseitig verteilte Reichtum und Armut, und die damit einher gehende Verteilung von Macht seit der Männergesellschaft, welche naturbedingte Armut, Armut durch Naturkatastrophen, nicht abschaffte, sondern sie durch wirtschaftliche, politische, bürokratische Massnahmen, einschliesslich Kriege, ersetzte und manifestierte, zur Steuerung der Gesellschaften. Ursache und Wirkung werden verwechselt: das  marktwirtschaftliche Produktions- und Verteilungssystem ist Ursache, die Finanzkrise Wirkung.

„Was darf ich hoffen?“

Immanuel Kant

„Für wie selbstsüchtig man den Menschen auch halten mag, es gibt nachweislich einige Grundlagen seines Wesens, die dazu führen, dass er sich für das Schicksal anderer interessiert, deren Glück ihm notwendig erscheint, obwohl er nichts davon hat ausser dem Vergnügen, es zu sehen“,
Adam Smith, „Theorie der ethischen Gefühle“, 1759

Am Anfang war natürlicher Mangel, Armut und Überlebenskampf der Steinzeitmenschen. Und um 150.000 v. Chr. begann sich der Homo Sapiens durchzuschlagen.

Drei Weltlebensweisen haben sich seit dem Neolithikum um 5.000 v. Chr. entwickelt: Reichtum, Auskommen/Wohlstand und Armut. Und weil Reichtum und Wohlstand Armut meidet, hat sich eine Zwischenwelt gebildet: Mildtätigkeit, individuell und organisiert in kleineren und grösseren Gruppen.

Reichtum und Wohlstand organisierten und steuerten die Gesellschaften wirtschaftlich, sozial, politisch und geistzeitlich. Verachtung für Arme und für die Arbeit der Handwerker, Bauern, kleinen Händler und für diejenige der Frauen in der Antike, für Sklaven, römische Proletari, für Frauen und Kinder, die Besitz der Männer waren, Männer, die Staat, Gesetze und Zeitgeist gestalteten.

Im Mittelalter wurde die Arbeit der Bauern, Handwerker und Händler dringend benötigt von den beiden herrschenden Ständen der Dreiständegesellschaft, dem Kleruns und dem Adel. Arbeit wurde nun als „ehrliche“ Arbeit gefordert und gnädig erlaubt, zur Versorgung der Herrenklassen. Und es gab einen inoffiziellen vierten Stand: Arme, Arbeitslose, Bettler, Prostituierte, Zuhälter, Diebe, Verbrecher, – und: Fahrendes Volk und arme Künstler. Die so genannte Bevölkerung, oder modern „die Menschen draussen“, „die Menschen auf der Strasse“, wurden in drei Gruppen eingeteilt: die nützlichen arbeitenden Menschen, die kranken, arbeitsunfähigen Menschen, und die `Drückeberger´, Arbeitsunwilligen.

Derart wurde erstmals im grossen Stil das grosse Thema „Soziales Milieu“ konstruiert: Kontrollen, Disziplinierung, Repressionen, Verdachts- und Verfolgungs-Atmosphäre gegen Arme eingeführt. Sowohl wurde die Spaltung durchgesetzt zwischen arbeitenden würdigen und nichtarbeitenden unwürdigen Menschen, in der Regel arbeitslosen Menschen aus Mangel an Arbeit, Krankheit, Behinderung, unterbeschäftigte und unterbezahlte Menschen, bis hin zu Verfolgungs- und Vernichtungsekstasen von Frauen, `Ausländern´, fahrendes Volk, ungeliebte Künstler und Intellektuelle, Juden als Sündenböcke.

Die Bürokratisierung und Pädagogisierung des Volkes wurde organisiert, Armenfürsorge als Erziehung zur Arbeit, Arbeit als Rezept gegen Armut definiert, und wer keine Arbeit hatte, krank oder alt war, oder als Fahrendes Volk umherzog, statt einen festen Wohnsitz zu haben, oder wer künstlerisch arbeitete, war verdächtig und galt als arbeitsscheu, gar kriminell. Fürst von Metternichs Verständnis der `Kategorie´ Mensch begann beim Freiherrn, bei Griechen und Römern waren nur reiche Besitzende Menschen.

Nachdem Armut in der bisherigen Menschheitsgeschichte als eine Art naturgegebener oder gottgewollter Zustand hingestellt wurde, wird im Übergang vom Spätmittelalter zum Industriezeitalter Armut als strukturelle Massendisposition im gesellschaftlichen Gefüge organisiert. Breite Bevölkerungsschichten werden vom gesellschaftlichen wachsenden Finanzkapital und Produktionsreichtum abgehängt.

im 17. Jahrhundert entsteht der Begriff „Erfolg“, den es bis zum Ende des Mittelalters nicht gab. Mit dem aufsteigenden Bürgertum beginnt Konkurrenz, Männer sind nun erfolgreich, oder nicht. Die Anfänge der Winner-Loser-Kultur. Statt erfolgreich aus Gottes Gnade zu sein, ist man es nun durch ökonomischen Erfolg. Damit wurden die Armen ausgegrenzt.

Der Begriff „Profit“ wird allgemein und von Baruch de Spinoza bis dahin gebraucht als „es nützt der Seele … es nützt der Entwicklung des Menschen“. Erst hundert Jahre später wird der Begriff gepriesen, um einseitigen ökonomischen Vorteil zu bezeichnen.

Mit der massenhaften Enteignung der Landbevölkerung, der Aufwertung des Geldes im Verhältnis zu gegenständlichem Besitz und der Konzentration von Kapital als Privatbesitz bei Wenigen, verbreitete sich im 18. und 19. Jahrhundert massenhafte Verelendung bei der durch die Umwälzung entstandene Klasse des Proletariats, und offenbarte endgültig die Mangelhaftigkeit der wirtschaftsgesellschaftlichen Struktur sowie das Unrecht des zivilisierten Systems.

Der Begriff Pauperismus entstand nun als sich verheerende Massenarmut ausbreitete. Lohnarbeiter und Lohnarbeiterinnen, Kinder, Handwerker konnten kaum noch für ihren Lebensunterhalt sorgen, trotz zeitaufwendigem und hartem Arbeitseinsatz, und diejenigen, die durch die vorangegangenen Enteignungen ohne Arbeit waren, verarmten vollends.

So war 1848 auch das Jahr des Beginns von Auswanderungswellen von Europa in die USA. Sozial und gesellschaftlich unzufriedene, arme Bürger Deutschlands, hungernde Iren, arme Skandinavier, Russen, Italiener suchten in den USA ein besseres Leben. Für die europäische Gesellschaftsordnungen bedeutete die Abwanderung von Arbeitern, Arbeiterinnen, Hausfrauen, Hausmädchen und Handwerkern durchaus eine ökonomische und politische und auch eine kulturelle Bedrohung für Europa.

Und ebenfalls im Jahre 1948 schrieb der Mönch Antonio Rosmini-Serbati ein Buch, in dem erstmals nach dem Vorbild von Franz von Assisi aus den Reihen der Kirche soziale Gerechtigkeit geforderte wurde. Der Papst verbot das Buch.

Dieses 19. Jahrhundert war nicht nur eine Zeit von gesellschaftlichen, ökonomischen, geistigen und kulturellen Krisen, sondern es steigerte rücksichtslose Profitmaximierung und einseitige Verteilung, brachte Wirtschaftskrisen, Armut, Elend und Nationalismus, die Weltkriege, Völkermorde und Diktaturen des 20. Jahrhunderts hervor.

Mit der Armengesetzgebung im 19. Jahrhundert wurde die Spaltung zwischen Bürgertum, Arbeiterschaft und Armen festgeschrieben. Die sozialstaatlichen Massnahmen, bedrängt durch politische Einflüsse der sozialen Bewegungen und der Gewerkschaften, gaben der Armut mildernde Umstände und implantierten diese als sozialstaatliche `Normalität´. Michel Foucault führt aus, dass im 19. Jahrhundert die vier grossen Strategien der Macht manifestiert wurden: Sexualisierung des Kindes durch die Pädagogik, Regulierung des Bevölkerungswachstums in den Familien durch die Sozialwissenschaften, Hysterisierung der Frau durch die Medizin und Spezifizierung der „Abweichler“, „Perversen“ durch die Psychiatrie.

Die älteste Strategie der Macht ist wohl die Ausbeutung der Frau, sowie diejenige der Kinder, mit der Folge der allgemeinen Ausbeutung und gesellschaftlich, staatlich organisierter Armut. Und ab dem 19., 20. und im 21. Jahrhundert arbeitete und arbeitet der industrielle Mensch am Überfluss und begehrt diesen als Substitut und Symbol für seine natürlichen Bedürfnisse, wenn er nicht als Leiharbeiter, Eineurojobber, Geringverdiener oder gar als Arbeitsloser, Sozialhilfeempfänger, Hartz-4-Empfänger oder als Bettler ums Überleben kämpft, und in den armen Ländern verhungert oder an Seuchen und durch Kriege stirbt.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Klasse“ für Arbeiter und Armut verbannt und von „Neuer Armut“ gesprochen. Beides änderte nichts.

Entwürdigung und Manipulation des Menschen, Unterdrückung und Un- und Einseitig-Bildung, ökonomische Ausbeutung und Zerstörung von Menschen und den anderen Naturen, Unrecht, Gewalt, Folter, Verfolgungen, Massenmorde und Kriege, Hunger und Verhungerungs-, Krankheits-, Seuchen-Katastrophen. Der industrielle Globalismus hat zu mehr Armut und Elend geführt, sowohl in den armen wie in den reichen Nationen, unterschiedlich dramatisch, obwohl die Kapazitäten der Industrienationen alle Menschen, sogar die doppelte Anzahl von Menschen ernähren, medizinisch versorgen, kleiden und mit Behausung versehen und bilden könnte.

In der modernen Konsumismus-Gesellschaft bringt nur der den Verwaltern von Besitz und Kapital Gewinn, der Arbeit hat. Er produziert Mehrwert und konsumiert Waren. Tugendhaft ist nicht mehr nur der Besitzende, und auch nicht zusätzlich der Arbeitende, sondern insbesondere der Konsumierende. Untugendhaft ist jetzt der Arbeitslose als Nichtkonsumierender, in Erweiterung des Sozialen Milieus im Mittelalter.

Der Geschichtsschreiber Plutarch fragt vor über 2.500 Jahren in „Das Gastmahl der sieben Weisen“, was der beste Staat sei, und die Sieben Weisen antworten, darunter Thales von Milet, der als erster Philosoph gilt:
„Der weder allzu Reiche noch allzu Arme hat“

„Was kann ich wissen?“

Immanuel Kant

„Sei misstrauisch gegen den, der behauptet, dass man entweder nur dem grossen Ganzen oder überhaupt nicht helfen könne. Es ist die Lebenslüge derer, die in der Wirklichkeit nicht helfen wollen und die sich vor der Verpflichtung im einzelnen bestimmten Fall auf die grosse Theorie hinausreden. Sie rationalisieren ihre Unmenschlichkeit. Zwischen ihnen und den Frommen besteht die Ähnlichkeit, dass beide durch ‘höhere‘ Erwägungen ein gutes Gewissen haben, wenn sie dich hilflos stehen lassen“,
Max Horkheimer, „Dämmerung, Notizen in Deutschland“, 1934

Seit es Menschen gibt, gibt es Altruismus. In den „biophilen“ (Erich Fromm)Frauengesellschaften vor tausenden Jahren war gegenseitige Hilfe Alltagsleben. Seit dem Umschlag zu Männerherrschaften im Wandlungsprozess der Neolithischen Revolution zwischen etwa 20.000 und 3.000 v. Chr. wurde gegenseitige Hilfe zur Ausnahme. Drei Weltlebensweisen haben sich also seit dem Neolithikum entwickelt: Reichtum, Wohlstand und Armut. Und weil Reichtum und Wohlstand Armut meidet, hat sich eine Zwischenwelt gebildet: Mildtätigkeit, individuell und organisiert.

Allgemein wird das Verhältnis zu Armut  rationalisiert und bürokratisiert. Gerne wird im Stil der „Denkweise von Renaissance-Höfen“ (Franz Böhm) doziert, Armut sei „relativ“ (für wen?), und „die müssen sich eben was einfallen lassen“, und „mit Phantasie“ sollten die Menschen ihre Probleme selbst in die Hand nehmen, „anstatt zu warten, dass andere sie lösen”, für Künstler und teilweise Intellektuelle „brotlose Kunst“, und: “Der Kapitalismus – ich bin auch dagegen – aber die meisten finden es ganz prima, so lange es ihnen dabei gut dabei geht“, Klaus Staeck mit plakativem Blick, Diskussion in der Akademie der Künste Berlin, 2008.

Derart beginnt sich zur Zeit die Atmosphäre des mittelalterlichen Sozialen Milieus neu durchzusetzen: Kontrollen, Disziplinierung, Repressionen, Zynismen, Ausgrenzung, Verachtung, Verdächtigungen, Verfolgungen und Strafen gegen Arme.

Kritik an Armen in den reichen Ländern, nicht nur diejenige Kritik, welche die Auffassungen vertritt, „wer arbeiten will, der findet auch Arbeit“, „die leben auf Kosten anderer“, „sind nur zu faul zu arbeiten“, „die sind selbst schuld“, „sich mal ein bisschen einschränken hat noch niemandem geschadet“, usw., vielmehr wird nun ein „Tabuthema“, wie es jüngst genannt wird, gebrochen, nämlich dass die durch freiwillige Helfer und Spenden von Privatleuten und von Industrie-Sponsoring betriebenen „Suppenküchen“, „Kleiderkammern“ und „Sozialkaufhäuser“ dazu führen, dass Arme nicht lernen mit der staatlichen Geldhilfe umzugehen und sie unselbstständig werden, ihre Probleme nicht selbst in die Hand nehmen, sondern „warten, dass andere sie lösen”.

Es gibt Bürokraten, die am Schreibtisch ausrechnen, wie viel Geld ein Mensch in Deutschland zum (Über-) Leben benötigt. Und es gibt Menschen, meist Journalisten und Journalistinnen, die freiwillig die Mühen auf sich nehmen, einige Wochen das Armenleben der Hartz-4-Unterstützung zu leben. Jedoch geht es nicht nur um ein Armenleben von ein paar Wochen, sondern es geht um das Entscheidende überhaupt: Das ständige Nichtwissen des Armen darum, ob dieser Zustand der Armut und Ausgrenzung je aufhören wird; – und darüber hinaus auch die Angst der Arbeitenden, Hartz 4 anheim zu fallen.

Zur Zeit wird der Realität verdrängende und abwehrende Trotz europäischer u.a. Politik-Trend-Marketing-Wanderprediger vom schwarz-amerikanischen Gospel-(dadurch unterscheidet er sich von Abraham Lincoln)-Wanderprediger Barack Obama beeinflusst. Wohin das führen wird, ist offen.

In der theologischen Predigtlehre, griechisch Homiletik genannt, die Kunst des Umgangs, wird traditionell unterschieden zwischen dem Wesen der Predigt, dem Inhalt und der Gestaltung derselben. Mit dem Globalismus werden neuerdings der oder die SprecherIn, das Publikum und der Ort als wichtiges Kriterium hervorgehoben.

Der Ort und das Publikum sind nun die globalisierte Welt, und der oder die Sprecherinnen werden medial als Trend-Marketing-WanderpredigerInnen für „die Menschen draussen“, „die Menschen auf der Strasse“ inszeniert.

„Was soll ich tun?“

Immanuel Kant

Michel Treguer:
„Am Anfang unseres Gesprächs sagten Sie, es würde in den mächstigsten Ländern nur einiger bedeutender Menschen guten Willens bedürfen, um `die Menschheit wieder auf die richtige Bahn zu lenken´, um die Reichen dazu zu bewegen, die Armen zu ernähren, etc. Die Schwierigkeit besteht darin, den Mimetismus umzudrehen, ihn in den Dienst des Guten und nicht weiterhin in den des Bösen zu stellen: mehrere Menschen, alle, müssten sich gleichzeitig ändern, gleichzeitig gut und barmherzig werden …

René Girard:
Es gäbe nichts Leichteres, wenn wir nur wollten: wir wollen aber nicht. Die Menschen mit ihrem konstanten Paradox, ihrer Unschuld und ihrer Schuld zu verstehen, läuft darauf hinaus, zu begreifen, dass wir alle für diesen Zustand verantwortlich sind, da wir, im Unterschied zu Christus, nicht daran sterben.“

René Girard, „Wenn all das beginnt …“, ein Gespräch mit Michel Treguer, 1994

Wir wissen alles, – über Armut und Reichtum in der Welt, über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, über Gut und Böse, über „Das Elend der Welt“.

Wir wollen aber nicht, die Übel abschaffen, obwohl wir alles wissen und alles können (wie Barack Obama treffend verkündet).

Was ist Wissen?: etymologisch stammt der Begriff von und bedeutet erblicken, sehen, gesehen haben, ich habe gesehen, erkennen, ich weiss, bewusst, weise, Gestalt, Urbild und Gewissen.

Der Begriff Gewissen stammt von griechisch „syneidêsis“ (lateinisch „conscientia), und bedeutet ein verstärktes Wissen und Bewusstsein, nämlich Mit-Wissen.

Die antiken Griechen lehrten, dass es für jedes sittlich schlechte Verhalten gegenüber Göttern und Menschen einen „Zeugen“, den inneren Mitwisser gäbe. Und Sinn dieses Wissens, Bewusstseins, Mit-Wissens ist Verantwortung, mit Vernunft und freiem Willen. „Der Wille ist der Geschlechtscharakter des Menschen, und die Vernunft selbst ist uns die ewige Regel desselben“, Friedrich Schiller, „Über das Erhabene“.

Der Verantwortungs-Ethik-Praktiker Jean Ziegler sagt: „Wir leben in einer absolut mörderischen Weltordnung … und gegen die muss man andenken, anreden, an-analysieren. Das Denken befreit die Freiheit im Menschen. Was der dann mit seiner Freiheit tut, das ist das Mysterium der Geschichte“.

Die Freiheit Bildender-Künstler, armer, wohlhabender, reicher, kann darin bestehen, in dieser un-„propagandistischen Phase .. elegante Überlegungen zu Stilfragen als Luxus bürgerlicher Ästheten, die sich um das Problem der Moral in der Kunst herumdrücken“ (Jörg Immendorf) und sich in Trend-Marketing-Mechanismen ergehen, die Moral in der Kunst wieder ins Auge zu fassen und die Bilder öffentlich predigen zu lassen.

DeutschlandundLeuteZeugen

„Der Widerstand gegen das Reale ist das oberste Dogma unserer Zeit. Es geht um die Verlängerung und Perpetuierung der ursprünglichen mythischen Illusion“,
René Girard, „Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz“

Armut und Bildende-Kunst (wie andere Künste) geht seit jeher zusammen. Sowohl als dokumentierende Zeugen von Armut, wie als Arme selber (von Ausnahmeminderheiten abgesehen).

Die bekannte älteste direkte Darstellung des Begehrens nach Nahrung mag die etwa 12.000 Jahre alte Felsenmalerei aus einer Höhle bei Cueva de Arania bei Valencia sein. Ansonsten dreht sich ein Grossteil der Höhlenmalerei um Nahrung und deren mystisch-religiöse Verherrlichung, als ein emotionales totemistisches Verständnis von Verwandschaft mit der Natur, den Tieren. Bis heute werden der Festtagsbraten, das Osterlamm, die Weihnachtsgans, der Silvester-Karpfen, der Thanks-giving-Truthahn, die Geburttagstorte, das Ei, der Leichenschmaus, als Sakralisierung der Nahrung geheiligt. Und in jüngster Zeit zelebrieren Fernseh-Medien Kochsendungen auf allen Kanälen täglich und mehrmals, angesichts der so genannten Neuen Armut, um die Objekte des Begehrens gegen den Mangel zu beschwören, prinzipiell nicht anders, als ein archaischer Zauberer, Schamane, welcher in der ökonomischen Magie natürliche Werte und Wertsachen zelebriert, das Wachsen von Pflanzen, der Reichtum von Landtieren und Fischschwärmen schildert, und die Wörter werden vom Magier immer in der dem Thema und Ziel entsprechenden Leidenschaft agiert (heute von FernsehköcheInnen).

Bildende-Künstler haben Nahrung und individuelle und gesellschaftliche Armut, Hunger, Not, Schrecken, Tod, Verzweiflung in der Menschheitsgeschichte als Bilder und Skulpturen `gebannt´, als Mit-Wisser, Gewissen und Zeugen der gesellschaftlichen Verhältnisse, die am Rande des Blickwinkels vegetiert – „Das Elend der Welt“ (Pierre Bourdieu).

Kant hatte das Gefühl des Schönen als „interessenloses Wohlgefallen“ definiert, weil es sich nicht auf einen wirklichen Gegenstand, sondern auf die Vorstellung desselben bezieht.

Nach Hegel dann befreit die Kunst die „Ohnmacht der Natur“ aus ihrer Unvollkommenheit, mittels einer Inhalts-Ästhetik, als eine „besondere Art und Weise des Scheins, in welchem die Kunst dem in sich selbst Wahrhaftigen Wirklichkeit gibt“.

Derart ist die Kunst bei Hegel am Ziel der drei Epochen der Kunst: „Bestehen im Erstreben, Erreichen und Überschreiten des Ideals als der wahren Idee der Schönheit“.

Diese ist die griechisch-antike Kunst, die ebenfalls Goethe, Schiller, Wilhelm von Humbold und Marx feiern, als unwiederbringlich vergangenen naiven Gipfel der Kulturentwicklung.

Hegels Wertschätzung der Antike ist diejenige als Ausdruck des absoluten Geistes, der absoluten Wahrheit. Und Hegels „Ende der Kunst“ bezieht sich auf ihre Bedeutung für die Erkenntnis des Wahren: „Man kann wohl hoffen, dass die Kunst immer mehr steigen und sich vollenden werde, aber ihre Form hat aufgehört, das höchste Bedürfnis des Geistes zu sein.“

Als mit dem 20. Jahrhundert  das moderne „Eiserne Zeitalter“ anbrach, wurden die Linien und Formen in der bildenden Kunst kantiger: Futurismus, Expressionismus und Kubismus, Dadaismus und Konstruktivismus. Kasimir Malewitsch schrieb 1916: „Unsere Welt der Kunst ist neu geworden, gegenstandslos, rein. Alles ist verschwunden; geblieben ist die Masse des Materials, aus dem sich die neue Form aufbauen wird.“

Das vormals romantische wie unterdrückte Ich stellt sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sich selbst gegenüber, mit der Masse des Materials der Volksphantasien der neuen Zeit: Übergang vom Adel zum Bürgertum, von der Handarbeit zur Industrialisierung, in der Gesellschaftsphilosophie, in der Psychoanalyse, in den Bildenden-Künsten, – das „Schwarze Quadrat“, sowie Kreis, Kegel und alle Formen, Hohlraum, leere Oberfläche, Dada: das Experiment Selbstauflösung.

„Alles hat vom Objekt seinen Ausgang genommen“, schreibt Jean Baudrillard. In der gegenwärtigen Gesellschaft des Spektakels jedoch wird alles zu Zeichen, die gegeneinander austauschbar sind, die Beaudrillardsche „Simulation“ von Politik, von Gesellschaften, Kultur und Kunst. Im Zeitalter der Globalisierung werden Kunst und Kommunikation immer mehr miteinander verbunden. Die Popart wurde, nach Duchamp, durch den Gross-Simulator von Ästhetik, Andy Warhol, neu inszeniert, indem er eine mystische Simulation der post-figurativen Welt als „anthropologisches Ereignis“ (Beaudrillard) schuf.
Paul Cezanne, um 1900

„Es steht schlecht. Man muss sich beeilen, wenn man noch etwas sehen will. Alles verschwindet.“
Käthe Kollwitz, 1922

„In solchen Augenblicken, wenn ich mich mitarbeiten weiss in einer internationalen Gemeinschaft gegen den Krieg, hab ich ein warmes, durchströmendes und befriedigendes Gefühl. Freilich, reine Kunst in dem Sinne wie zum Beispiel die Schmidt-Rottluffsche ist meine nicht. Aber Kunst doch. Jeder arbeitet, wie er kann. Ich bin einverstanden damit, dass mei-ne Kunst Zweck hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind. Viele fühlen jetzt die Verpflichtung, wirken und helfen zu wollen, aber mein Weg ist klar und eindeutig: andere gehen unklare Wege.“
Otto Dix, 1963

„Das musste ich alles ganz genau erleben… Ich bin so ein Realist, wissen Sie, dass ich alles mit eignen Augen sehen muss…“
Gerhard Richter, 1966

„Nachdem es keine Priester und Philosophen mehr gibt, sind die Künstler die wichtigsten Leute auf der Welt.“
Jörg Immendorf, 1973

„In dieser propagandistischen Phase (Neue Soziale Bewegungen) erschienen für mich elegante Überle-gungen zu Stilfragen als Luxus bürgerlicher Ästheten, die sich um das Problem der Moral in der Kunst herumdrücken.“
Joseph Beuys, 1983

Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kraft der menschlichen Kreativität. Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kunst.“
Bazon Brock, 1989

„Der Geist der Zeit, der Zeitgeist, wird in erster Linie durch die Zukunftserwartungen einer Gesellschaft in einer Epoche bestimmt. Das ist die Definition, auf die ich mich jetzt hier ausrichte. Vielleicht ist der Zeitgeist überhaupt nichts anderes als die Gestalt der Zukunftserwartungen einer Zeitgenossenschaft. Zwar unterscheiden sich die konkreten Lebensformen der Menschen einer Epoche erheblich, aber in ihrer Einschätzung der Zukunft gleichen sie sich doch erstaunlicherweise wieder an. Denn was die einen nämlich als Zukunft herbeisehnen, das fürchten die anderen, und auf diesem Wege wird, trotz aller Unterschiede in den Lebensformen, diese merkwürdige Übereinstimmung in vielen Haltungen und Einstellungen erklärbar. Die Furcht vor und die Hoffnung auf die Zukunft treten nämlich immer verschwistert auf, eben als Zeitgeist, dessen Kräfte alle erfassen, weil nämlich positive und negative Einschätzungen der Erwartungen sich ja wechselseitig hervorbringen und auch bedingen.

In den Entwürfen der Künstler für die dreissiger, vierziger, fünfziger, sechziger Jahre tritt uns, von heute aus gesehen, jeweils der Zeitgeist als die eigentliche Kraft der Gestaltung, des Formwillens als Vision und Wertung, als Wunsch entgegen. Diese Entwürfe zeigen uns, welches Bild einer Zukunft die Zeitgenossen hatten, und mit diesen Zukünften, die heute ja längst vergangene Zukünfte sind, den Hoffnungen und Befürchtungen konfrontiert zu sein, teilt sich uns in den Entwürfen als kollektive Kraft der Epoche, als deren Zeitgeist mit. Darin aber, so sagt man, liegt unter anderem auch ein wesentlicher Aspekt des künstlerischen Wertes solcher Arbeiten. Sie lassen uns nämlich die unsichtbaren und die un-fassbaren Antriebskräfte erahnen, die die jeweiligen Zeitgenossen beherrschten.“

Was ist der Zeitgeist heute? Der Ernstfall ist eingetreten, das Dicke Ende ist da: Armut, Armut, Armut, Bildungs- und Geistlosigkeit, Desensibilisierung, Verfolgungen, Denunziationen, Hetze, Häme, Zynismen …, umgesetzt in Gewalt, Terror, Krieg, Folter, Menschenrechtsdesastern, skrupellosen Profitmaximierungen durch Ausbeutung und einseitige Verteilung, Korruption, Betrug, Menschenverachtung, Unrecht, mangelnde Bildung, Vernichtung von Naturressourcen, Umweltzerstörungen … und die Produktion von nie da gewesenen Reichtum und Armut.

„Es wird nun nicht nur das Gute in uns verdrängt, sondern – wie mir scheint – zum grossen Teil auch die Wahrheit. Wir leben in einer Weit, die einem Kehrichthaufen von Illusionen und Schwindet gleicht. … Wir verdrängen nicht so sehr das Schlechte in uns, sondern weigern uns, die Wahrheit zu sehen, die wir eigentlich alle kennen. Denn ich glaube, im Grunde genommen wissen wir alles … denn wenn die Menschen die Wahrheit sehen würden, müssten sie anders handeln, und wenn sie anders handeln würden, dann könnten sie nicht so bleiben wie sie sind, und dann gerieten sie in einen Konflikt mit der Gesellschaft, mit ihrem Erfolgsstreben, mit vielen, vielen Dingen, die ihnen heilig sind. Und deshalb ist es fast zwangsläufig, dass man zwar die Wahrheit weiss, aber gleichzeitig dieses Wissen von der Wahrheit verdrängt. … am meisten verdrängen, das ist die Wahrheit, weil die für unsere ganze Lebensweise das Gefährlichste ist“, Erich Fromm, „Das Undenkbare, das Unsagbare, das Unaussprechliche“,1978.

Vor tausenden Jahren missbilligten Götter die Menschenwelt und haderten mit ihr. Nun begreifen die Menschen, dass es nicht weitergeht wie gehabt. Um den Nichtbegreifenden die Lage begreiflich machen zu helfen, haben die Künste und derart die Bildende Kunst eine Aufgabe mitzuwirken und nebenbei die Frage praktisch aus der Spekulation zu befreien, ob Kunst etwas verändern kann oder nicht, –
„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, Paul Klee
– an Veränderungen mitwirken dürfte sie können:

„In dieser propagandistischen Phase erschienen für mich elegante Überlegungen zu Stilfragen als Luxus bürgerlicher Ästheten, die sich um das Problem der Moral in der Kunst herumdrücken“, Jörg Immendorf.

„Das Elend der Welt“ – DeutschLandundLeuteZeugen könnte dem Mimetismus und dem Widerstand gegen das Reale ein wenig mit ins Handwerk puschen und zum Wachsen des Wollen mit beitragen, – mit der kommunikativen Kraft der Bildenden-Kunst durch Künstler und Künstlerinnen als Mit-Wisser und Zeugen der Zeit.

Initiativen:

www.kunststimmen-gegen-armut.de

– Aktion „Kunst trotz(t) Armut“ des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland e. V.

– Museum Moderner Kunst Wörlen Passau

sowie Initiativen von Einzelnen und Hilfs-Gruppen und -Organisationen.

S. Bernays und Rolf Horst möchten Kunst-Akademien und Kunst-Schulen, Kunst-Galerien, Kunst-Sammlern, Kunst-Mäzenen, Kunst-Kritikern und Künstlern und Künstlerinnen, Kulturschaffende sowie Journalistinnen und Journalisten, Politiker und Politikerinnen, Manager und Managerinnen, und allen die sich angesprochen fühlen, den Vorschlag machen, sich vielleicht noch akzentuierter einer „kollektiven Kraft der Epoche“ zu widmen, sodass „die unsichtbaren und die un-fassbaren Antriebskräfte … die die jeweiligen Zeitgenossen“ (Bazon Brock) entfalten können, dem „Widerstand gegen das Reale“ als „das oberste Dogma unserer Zeit“, als „die Verlängerung und Perpetuierung der ursprünglichen mythischen Illusion“ (René Girard), die in allen Epochen dominierte, zum entmystifizieren des Bewusstseins der Zeit und solcherlei Taten mit-zu-verhelfen.